Seung-Yeun Huh über Mozart

Seung-Yeun Huh

Seung-Yeun Huh, Wolfgang Amadeus Mozart ist wohl heute noch derjenige Komponist, den jedes Kind kennt. Wann haben Sie Mozart kennengelernt?

Natürlich habe ich schon als Kind Mozarts Musik kennengelernt. Mich intensiv damit auseinandersetzten musste ich, als ich im Alter von 16 Jahren zum Musikstudium nach Köln ging und in die Familie meines deutschen Professors aufgenommen wurde.

Mein Professor gab mir dann die Aufgabe, jeden Tag eine Sonate zu üben und am Abend nach dem Abendessen der ganzen Familie vorzuspielen. Es ging nicht um die perfekte Aufführung, sondern um das Musikalische, das ich innerhalb kurzer Zeit hinzaubern musste.

Für mich war es nicht angenehm, aber so habe ich jeden Tag eine Mozart Sonate intensiv geübt und nach 18 Tagen alle Mozartsonaten gelernt!

Sie haben 1998-2002 alle Sonaten von Mozart auf CD eingespielt. Hat sich seither ihre Interpretation von Mozarts Musik verändert?

Im grossen Mozartjahr 2006 führte ich alle Sonaten und viele Klavierkonzerte auf. Nach diesem Jahr habe ich mich in die Musik von Franz Liszt vertieft. Während dieser Zeit merkte ich, dass ich nicht nur Mozarts Musik, sondern auch die anderer Komponisten und deren musikalische Sprache besser verstehen konnte. Die Musik reift ja mit den Jahren, den Konzerten und den Erfahrungen, die man im Leben macht. Nun stelle ich mit Freude fest, dass ich viel freier mit Mozarts Musik umgehen kann. Durch CD-Einspielungen lernen wir Musiker etwas sehr Wertvolles, nämlich der eigenen Empfindung aufmerksam zuzuhören und genau zu überlegen, was man erzählen will.

Es gibt 18 Sonaten und zwei grosse Fantasien für Klavier von Mozart. Warum ist ihre Wahl für das Konzert vom 28. September 2018 auf dieses Programm gefallen?

Es ist mir ein Anliegen dem Publikum in die Welt von Mozart führen, die sehr vielseitig ist. Mit der frühen Sonate zeigt Mozart seine noch unbeschwerte, schlagfertige und frische Seite. Mit der wunderschönen A-Dur Sonate hört man die Reife und die Genialität der Schlichtheit von Mozart. Mit der c-Moll Fantasie und Sonate drückt Mozart seine dunkle, traurige Seite mit einem Hauch von Hoffnung aus. Mit ihrer pathetischen Klangsprache beeinflusste diese Sonate auch Beethoven. In seiner in derselben Tonart geschriebenen Sonate «Pathétique» lässt sich dies sehr gut heraushören.

Auch wenn Mozart immer ein noch sehr populärer Komponist ist, sind reine Mozartprogramme doch eher selten. Aus welchem Grund haben Sie sich dafür entschieden?

Für Pianisten gibt es sehr viele wunderbare Werke für einen Klavierabend! Ich habe vor Jahren damit begonnen, Ein-Komponist-Programme zu gestalten und ich merkte, dass dies vom Publikum sehr geschätzt wird. Durch das Vertiefen in den Stil und das Leben des Komponisten kann ich die Sprache und den Ausdruck dem Publikum klarer vermitteln. Es gibt eine besondere Steigerung innerhalb der Werke eines Komponisten, die das Publikum mitzieht. Zudem lerne ich jedes Mal die Sprache des Komponisten besser kennen. Ein Abend mit Mozart, was will man mehr!